Dauerausstellung

Die Dauerausstellung ist in drei Themenbereiche unterteilt und basiert auf zahlreichen Archivdokumenten und dokumentarischen Ressourcen, die in digitale Elemente integriert wurden.

 

Thema 1: Warum gab es jüdische Kinder in Izieu?

Dieses erste Thema stellt den historischen Kontext von Europa während des Zweiten Weltkriegs dar und zeichnet die Reise der Familien der Kinder von Izieu nach.

Die einzigartigen Geschichten der Kinder der Kinderkolonie von Izieu werden mit der Geschichte der antisemitischen Verfolgungen durch den französischen Staat und dem Völkermord an den Juden Europas durch Nazi-Deutschland in Zusammenhang gebracht.

Der Großteil der Eltern der Kinder kam in der Zwischenkriegszeit nach Frankreich und stammt ursprünglich aus ganz Europa. Im Oktober 1940 sind diese Familien von den antisemitischen Gesetzen des Vichy-Regimes betroffen. Die daraus resultierende Ausgrenzungspolitik zwingt die ausländischen Familien zunächst in die französischen Internierungslager. Dann, im Sommer 1942, handelt Nazi-Deutschland mit Frankreich ihre Deportation aus. Dank des unermüdlichen Einsatzes von Hilfsorganisationen konnten viele Kinder vor dieser mörderischen Kollaboration aus den Internierungslagern herausgebracht werden.  

Sie werden anschließend bei Privatpersonen oder in Kinderheimen untergebracht. Eines davon befindet sich in Izieu im Département Ain. Es wird von einem jüdischen Ehepaar geleitet, das die französische Staatsangehörigkeit besitzt und ursprünglich aus Polen beziehungsweise Russland kommt, Sabine und Miron Zlatin. Während der elf Monate des Bestehens nehmen die Zlatins insgesamt mehr als 100 jüdische Kinder auf. Die Mehrheit von ihnen wird danach zu einem Elternteil oder in andere Kinderheime gebracht. Einige überqueren heimlich die Grenze zur Schweiz. Das Schicksal der 44 Kinder jedoch, die sich am 6. April 1944 noch in der Kolonie von Izieu befinden, nimmt durch die Razzia eine tragische Wendung.

 

Multitouch-Tisch: Lebenswege der Kinder und ihrer Familien

Dank der Arbeit des Dokumentations- und Forschungszentrums können Sie die Lebenswege der Familien der Kinder von Izieu quer durch Europa digital und anhand von Archivdokumenten und Zeitzeugenberichten nachverfolgen. Bisher sind knapp 20 Lebenswege verfügbar, weitere werden fortlaufend hinzugefügt.

 

Thema 2: Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Im Erdgeschoss der Scheune werden der Prozess gegen Kriegsverbrecher, internationale Militärgerichte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit einer umfassenden Aufarbeitung unterzogen. Erwähnt werden neben den wichtigsten französischen Kollaborateuren auch die Prozesse in Nürnberger und gegen Klaus Barbie.

Zudem ist die Rede von anderen Völkermorden und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im 20. Jahrhundert.

Im Nachbesprechungsraum zeigen 4 Bildschirme Auszüge aus dem Prozess gegen Klaus Barbie, und bietet eine taktile Tabelle Zugang zu mehreren Daten zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die in chronologischen Sequenzen oder nach Land verfügbar sind.

Nach dem Krieg folgt die juristische Aufarbeitung, die trotz ihrer Unzulänglichkeiten und Widersprüche eine unerlässliche Etappe darstellt, um die Differenzierung der verschiedenen Verantwortungsebenen der Verbrecher zu etablieren und die zerstörerischen Mechanismen aufzudecken, die menschliche Wesen dazu bringen, Verbrechen an anderen Menschen zu begehen und gewaltvoll gegen die menschliche Ordnung zu verstoßen.

In diesem Teil der Ausstellung wird ein breites Band an Themen behandelt: die Gründung des Internationalen Militärgerichtshofs, die Nachkriegsprozesse – darunter der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess, in dem zum ersten Mal das über die Razzia in der Kinderkolonie von Izieu am 6. April 1944 berichterstattende Telegramm Klaus Barbies ausgewertet wird – und schließlich die späteren Prozesse gegen Nazi-Verbrecher wie der gegen Klaus Barbie 1987.

Massenverbrechen geschahen bereits vor dem 2. Weltkrieg. Andere wurden danach begangen, einige werden noch heute verübt. Das 20. Jahrhundert ist jenes, in dem die Justiz dahingehend ausgebaut wurde, Verbrechen zu verhindern und gegen die Straflosigkeit anzukämpfen.  


Multitouch-Tisch: Verbrechen gegen die Menschheit

Diese Anwendung gibt einen Überblick über die seit 1945 begangenen Verbrechen gegen die Menschheit und hinterfragt die Stellung der Internationalen Strafgerichtsbarkeit vor den unterschiedlichen politischen Kontexten der Länder.

 

Thema 3: Das Gedenken und seine Umsetzung

Am Ende der Ausstellung im Obergeschoss der Scheune lenkt die Ausstellung ausgehend vom Gedenken an das Kinderheim von Izieu die Gedanken auf die Umsetzung von Erinnerung, samt europäischer Perspektive und eines vergleichenden Ansatzes zwischen einzelnen Ländern.

In den Dörfern von Izieu und Brégnier-Cordon ist die Erinnerung an die Kolonie seit 1946 lebendig. Im Laufe der Jahre wurden unterschiedliche Gedenkfeiern veranstaltet: privates Gedenken der Familien und vom Geschehen betroffener Angehöriger, offizielle Zeremonien zum Jahrestag… Seit seiner Einweihung am 24. April 1994 und bis zum Ende der 2000er Jahre war das Maison d’Izieu der erste und einzige Ort Frankreichs, der der Erinnerung an die Deportation und Ermordung jüdischer Kinder gewidmet ist.

Die Erinnerung an den Holocaust wird seit den 1970er Jahren von der Stimme der Opfer und ihrer Nachkommen, den Vereinigungen und Nebenklägern bei den Prozessen am Leben gehalten, erst sehr viel später geschah dies jedoch auch an den Orten, an denen sich die Verbrechen abgespielt haben. Sowohl in Frankreich als auch in anderen Ländern Europas verläuft der Aufbau einer Erinnerungskultur in mehr oder weniger komplexen Wegen, eng gebunden an die nationalen politischen Hintergründe.

Dieser letzte Teil der Ausstellung lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, die Entwicklung der Gedenkkultur zu entdecken und zu reflektieren.

 

Immersive poetische 180°-Erfahrung in Augmented Reality : Les lueurs d’Izieu

„Izieu – Schimmer der Vergangenheit“ befindet sich im dritten Ausstellungsbereich und ermöglicht eine immersive 180°-Erfahrung, die Augmented Reality mit Lightpainting verbindet. Drei Episoden von jeweils fünf Minuten ermöglichen es, ein Stück der Geschichte der Kolonie von Izieu auf poetische Weise zu entdecken:

  • Der Klassenraum anhand des Berichts der Lehrerin Gabrielle Perrier.
  • Mirons Büro: Diese Episode widmet sich der Organisation des Alltags der Kolonie.
  • Die Hausfassade: Diese Episode lädt dazu ein, die Geschichte der Razzia zu entdecken.

Eine immersive Erfahrung, realisiert von Robin Shuffield und ins Licht gesetzt von Jadikan. © 2021- Zorn Production International – Odoxo – Maison d’Izieu – Pictanovo

 

Bildschirme: Der Prozess gegen Klaus Barbie

Im dritten Teil der Dauerausstellung haben Sie ebenfalls Zugriff auf die Bildschirme zum Prozess gegen Klaus Barbie 1987. Es war der erste Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschheit in Frankreich und verankert die Razzia von Izieu endgültig in der französischen Erinnerungslandschaft.

Im Maison d’Izieu werden mehr als 100 Stunden Film des Prozesses gegen Klaus Barbie zum Fall Izieu aufbewahrt.