Vor 1943

Camps d’internements français en août 1942 (© B. Dressler)
Vue du camp de Gurs, 1940 (© CDJC / Mémorial de la Shoah)
Camp de Rivesaltes, baraque du Secours Suisse (Fonds Auguste Bohny)
Camp de Rivesaltes, baraque de femmes et d’enfants (Fonds Auguste Bohny)
Camp de Rivesaltes, femmes et enfants (© CDJC / Mémorial de la Shoah)
Zones d’occupation en France 1940, 1942, 1943 (© B. Dressler)

Vor 1943

Antisemitische Gesetze und Kollaboration des Französischen Staates : Eine mörderische Politik

 

Das Vichy-Regime reagiert mit Übereifer auf die deutsche Verordnung vom 27. September 1940 für die zahlenmäßige Erfassung der Juden in der besetzten Zone. So werden am 3. und 4. Oktober die ersten Gesetze gegen die Juden erlassen: eines der Gesetze stattet die Präfekten insbesondere mit der Ermessensgewalt zur Internierung der „Ausländer jüdischer Rasse“ in „speziellen Einrichtungen“ aus. Weitere Gesetze, die den „Statut der Juden“ organisieren und ihre Lebensbedingungen immer prekärer und unmenschlicher machen, folgen Ende Oktober 1940 und Anfang Juni 1941. Diese Gesetze sind noch radikaler und energischer als die Nürnberger Rassengesetze.

 

Die französischen Internierungslager, in denen zahlreiche ausländische und französische Juden vor ihrer Deportation untergebracht werden, sind ein Instrument der Kollaboration und der Beteiligung Frankreichs an der deutschen Politik der „Endlösung“.

 

Im Sommer 1942 vereinbart das Vichy-Regime mit den Verantwortlichen der deutschen Polizei, dass es ihnen 10 000 Juden aus der unbesetzten Zone und 20 000 Juden aus der besetzten Zone ausliefern wird. Um diese Verpflichtung erfüllen zu können, führt die französische Regierung die Großrazzien im Sommer 1942 durch.
Das unbesetzte Frankreich ist somit die einzige Zone in Europa, wo die zuständigen Behörden auf Eigeninitiative Juden an die Nazis ausliefern.

 

Im Juli 1942 holt die Vichy-Regierung bei den Deutschen die Genehmigung ein, auch Kinder unter 16 Jahren zu deportieren, die bisher von der Deportation ausgeschlossen waren.
Die deutschen Behörden sind damit einverstanden und am 14. August 1942 verlässt der erste Transport mit Kindern das Sammellager Drancy in Richtung Auschwitz.

 

Die Kinderheime in der unbesetzten Zone sind keine sicheren Zufluchtsstätten mehr.

 

 

Das Schicksal der Familien der Izieu Kinder

 

Im Sommer 1942 befinden sich zahlreiche Familien der Izieu Kinder in den Internierungslagern im Süden Frankreichs, einige schon seit mehreren Jahren.
Die Deutschen, die aus Baden und der Pfalz deportiert wurden, wie die Familien Niedermann, Hirsch, Adelsheimer und Leiner, sind seit Oktober 1940 im Lager von Gurs und werden nach und nach in das Lager von Rivesaltes überführt.
Andere Familien haben versucht, die Demarkationslinie zu passieren. Nach ihrer Verhaftung in der unbesetzten Zone werden sie interniert. So kommt die in Montbron verhaftete Familie Halaubrenner am 4. oder 6. November 1942 in das Lager von Rivesaltes. Der Vater namens Jakob wird in eine Gruppe von ausländischen Arbeitern integriert. Ita Rosa, die Mutter und die Kinder Leon, Alexander, Claudine und Mina werden am 23. November 1942 von Rivesaltes in das Lager von Gurs überführt.
Die aus Luxemburg stammende und nach Marseille geflüchtete Familie Waysenson wird im Rahmen der Großrazzien in Marseille im Jahre 1941 verhaftet und in Rivesaltes interniert. Hélène und Bernard, die jüngsten Kinder, werden dem Hilfswerk OSE anvertraut.
Zwischen August und September 1942 werden die Eltern der Familien Krochmal, Gamiel-Hirsch, Loebmann, Wertheimer, Reis, Zuckerberg, Spiegel, Springer und Bulka deportiert.

 

 

Das Kinderhilfswerk OSE

 

Unter diesen Bedingungen intensivieren die Hilfsorganisationen wie das Œuvre de Secours aux enfants (OSE), das seit 1941 in den Internierungslagern aktiv ist, ihre Rettungsaktionen gegenüber den jüdischen Kindern, deren Eltern interniert oder bereits deportiert sind.
Diese Organisationen, die innerhalb sowie auch außerhalb der Internierungslager aktiv sind, organisieren die Befreiung, die Aufnahme und die Unterbringung der zahlreichen Kinder in den verschiedenen Heimen, die sich zumeist in der unbesetzten Zone befinden. Je nach den Aufnahmekapazitäten bzw. der jeweiligen Sicherheit vor Ort werden die Kinder im Laufe der Monate von einem Heim zum anderen überführt.
Seit März 1942 leitet Sabine Zlatin, Sozialhelferin beim Hilfswerk OSE, das Sanatorium Saint-Roch in Palavas-les-Flots. Dieses Heim beherbergt die Kinder, die aus den Internierungslagern kommen und verarztet sie und weist ihnen dann eine Unterkunft zu.
Im Anschluss an die Razzien und Verhaftungen, die sich im Laufe des Sommers 1942 in der unbesetzten Zone verschärfen, beschließt das Hilfswerk OSE, die Mehrzahl seiner Häuser zu schließen und die Kinder zu zerstreuen.

 

 

Die italienische Besatzungszone

 

Als Reaktion auf die Landung der Alliierten in Nordafrika fällt die deutsche Armee am 11. November 1942 in die unbesetzte Zone ein. Das gesamte Land ist zu diesem Zeitpunkt von den feindlichen Mächten besetzt. Die acht Departements auf der linken Seite der Rhône, von der Haute-Savoie bis Korsika werden von den Italienern besetzt. In dieser Zone werden die Juden nicht verfolgt. Sie wird somit zu einem Zufluchtsort zahlreicher Juden. Ein Teil des Departements Ain, das sich zwar auf der rechten Seite der Rhône befindet, gehört zur italienischen Besatzungszone. Hier befindet sich auch das Dorf Izieu.

 

Auf Anfrage des Hérault Präfekten, der zur Rettung jüdischer Kinder beiträgt, lassen sich Sabine und Miron Zlatin im Frühling 1943 mit einigen Kindern in dem Teil des Departements Ain nieder, das zur italienischen Zone gehört. Sie werden dem Unterpräfekten von Belley, Pierre-Marcel Wiltzer, empfohlen. Dank seiner Hilfe finden Sie Unterschlupf in einem großen Haus in Izieu, der „Flüchtlingskinderkolonie“. In nur kurzer Zeit beginnt das Leben hier neu.