Chronologie

Acte de naturalisation de Sabine et Miron Zlatin (© Bibliothèque nationale de France)
Sabine Zlatin dans sa tenue d'infirmière de la Croix-Rouge (© Maison d’Izieu / Coll. succession Sabine Zlatin)
Carte de la Croix-Rouge (© Maison d’Izieu / Coll. succession Sabine Zlatin)
Nomination de Sabine Zlatin à la colonie d’Izieu, juin 1943 (© Bibliothèque nationale de France)
Maison de la colonie d’Izieu (© Maison d’Izieu / Coll. succession Sabine Zlatin)
Emplacement d’Izieu

Chronologie

Die Daten, die direkt die Geschichte der Kolonie Izieu betreffen, sind mit rot gekennzeichnet.

 

In Frankreich wird am 12. November 1938 unter der 3. Republik ein Erlass eingeführt, der die Internierung von unerwünschten Ausländern in „speziellen Einrichtungen“ vorsieht.
Diese Verwaltungsmaßnahme hat es nicht auf Personen abgesehen, die ein Delikt bzw. ein Verbrechen begangen haben, sondern auf Personen, bei denen der Verdacht besteht, die öffentliche Ordnung bzw. die nationale Sicherheit zu gefährden allein aufgrund ihrer Anwesenheit auf französischem Boden. Im Jahre 1938 sind von dieser Maßnahme hauptsächlich Hunderttausende spanische Flüchtlinge betroffen.
Unter der deutschen Besatzung (Okkupation) werden die Internierungslager von der Vichy-Regierung für ihre Politik der Ausgrenzung verwendet.

 

26. Juli 1939
Sabine und Miron Zlatin, die in den zwanziger Jahren von Polen bzw. Russland nach Frankreich eingewandert sind, erhalten die französische Staatsbürgerschaft.

 

3. September 1939
Nach der Invasion Polens erklärt Frankreich Deutschland den Krieg.

 

22. Juni 1940
Unterzeichnung des Waffenstillstandes zwischen Frankreich und dem Nazideutschland.

 

27. September 1940
Deutsche Verordnung zur zahlenmäßigen Erfassung der Juden in der besetzten Zone.

 

3. und 4. Oktober 1940
Vichy erlässt die ersten judenfeindlichen Gesetze und ergreift willkürliche Maßnahmen zu ihrer Internierung

 

22. und 23. Oktober 1940
Ausweisung und Deportation nach Frankreich der Juden aus dem Saarland, aus Baden und der Pfalz.

 

24. Oktober 1940
• Ankunft von 6 538 deutschen Juden im Lager von Gurs. Hierzu zählen Männer, Frauen und Kinder aus dem Saarland, aus Baden und der Pfalz. Unter ihnen befinden sich Kinder, die später in der Kolonie in Izieu aufgenommen werden, und ihre Familien.
• Treffen von Montoire, der Handschlag zwischen Pétain und Hitler.

 

Ende Mai 1941
Sabine und Miron Zlatin leben seit 1940 in Montpellier. Aufgrund antisemitischer Gesetze seitens der Vichy-Regierung wird Sabine Zlatin beim Roten Kreuz und im Militärkrankenhaus von Lauwe, wo sie als Krankenschwester gearbeitet hat, gekündigt. Sie bietet ihre Dienste der Hérault Präfektur an, wo sie in den Internierungslagern arbeiten soll. Sie wird Sozialhelferin bei der Hilfsorganisation OSE und hilft bei der Befreiung der Kinder aus den Lagern von Agde und Rivesaltes.

 

März 1942
Sabine Zlatin übernimmt die Leitung eines Kinderheims in Palavas-les-Flots, das jüdische Kinder aus Internierungslagern aufnimmt und denen eine erste Hilfe zuteil wird, bevor sie eine andere Unterkunft bekommen.

 

Sommer 1942
In ganz Frankreich organisieren die französischen Behörden große Razzien, bei denen jüdische Familien verhaftet werden.

 

16. und 17. Juli 1942
Razzia des Velodrome d’Hiver (Radrennbahn) in Paris, auf Verlangen der deutschen Behörden, aber von der französischen Polizei durchgeführt.

 

Die Verhaftung Tausender Kinder hat zur Folge:
• ihr Abtransport in die Lager von Pithiviers und Beaune-la-Rolande
• den Beschluss der französischen Behörden, jüdische Kinder im Alter von unter 16 Jahren an Deutschland auszuliefern. Am 14. August 1942 werden auch sie zum ersten Mal vom Sammellager Drancy nach Auschwitz deportiert.

 

26. August 1942
Großrazzien von Juden in der nicht besetzten Zone auf Begehren der französischen Behörden.

 

11. November 1942
Die Deutschen marschieren in die nicht besetzte Zone ein. Die italienische Armee besetzt die französischen Departements auf dem linken Rhône-Ufer.

 

März-April 1943
Das Ehepaar Zlatin verlässt Montpellier, um in die italienische Besatzungszone zu gelangen. Sie erreichen Chambéry mit ca. fünfzehn jüdischen Kindern.

 

Mai 1943
Mit Hilfe des Unterpräfekten von Belley, Pierre-Marcel Wiltzer, bringen Sabine und Miron Zlatin in Izieu, im Departement Ain, die „Flüchtlingskinder-Kolonie“ unter.
Sabine Zlatin hat ihr Basislager in Montpellier, um von hier Rettungs- und Hilfsaktionen durchzuführen. Sie begibt sich regelmäßig nach Izieu. Miron Zlatin, der in Izieu seinen Hauptsitz hat, ist für die Versorgung der Kolonie verantwortlich.

 

8. September 1943
Italien kapituliert. Die Deutschen besetzen die ehemalige italienische Zone.

 

18. Oktober 1943
Zu Beginn des neuen Schuljahres wird Gabrielle Perrier (Tardy, Name ihres Ehemanns) zur Lehrerin der „Flüchtlingskinder-Kolonie“ in Izieu ernannt.

 

7. Januar 1944
Der jüdische Arzt in Brégnier-Cordon, Doktor Bendrihem, der auch Sabine Zlatin pflegt, wird von den deutschen Behörden verhaftet.

 

8. Februar 1944
Die Gestapo lässt eine Durchsuchung der Räumlichkeiten der 3. Direktion der UGIF (Union générale des Israélites de France, Generalverband der Israeliten in Frankreich) in Chambéry durchführen, von der die Kolonie in Izieu finanziell unterstützt wird.

 

Anfang April 1944
Seit März in Izieu kehrt Sabine Zlatin Anfang April nach Montpellier zurück, wo sie versucht die Kolonie unterzubringen bzw. den Kindern eine neue Unterkunft zu verschaffen.

 

6. April 1944
Die Gestapo und die deutsche Wehrmacht verhaften die Kinder und Erwachsenen, die in der Kolonie in Izieu leben.

 

Sabine Zlatin, die sich zu diesem Zeitpunkt in Montpellier befindet, wird von Marie-Antoinette Cojean, Sekretärin an der Unterpräfektur von Belley, über die Razzia durch ein Telegramm informiert.

 

13. April -30. Juni 1944
Von Lyon nach Drancy in das Sammellager befördert, werden die 42 Kinder und 7 Betreuer von Izieu in mehreren Transporten nach Auschwitz deportiert. Sie werden alle bei ihrer Ankunft im Vernichtungslager ermordet mit Ausnahme der Betreuerin Léa Feldblum, die als Einzige überlebt. Zwei Jugendliche und der Leiter der Kolonie, Miron Zlatin, werden in Reval (heute Tallin) in Estland ermordet.