Izieu, Ort des Gedenkens

Simone Veil, Hélène Waysbord, Maison d’Izieu, 6 avril 2010 (ER)
Maison d’Izieu, plaque de 1990 (MV)
Maison d’Izieu, 29 avril 2007 (ER)
Hélène Waysbord avec des élèves, 29 avril 2007 (ER)
Stèle nationale, Maison d’Izieu (MV)
Monument de Brégnier-Cordon, poème de John Donne (ER)
Monument de Brégnier-Cordon, texte de 1987 (ER)

Izieu, Ort des Gedenkens

Jährlich finden drei dem breiten Publikum offen stehende Gedenkfeierlichkeiten im Maison d’Izieu statt.

 

• Am 6. April erinnert die Vereinigung an die Razzia des Jahres 1944 mit einer Feierlichkeit zur Erinnerung an die deportierten Kinder und Erwachsenen.
Die ausgesprochen einfache Feierlichkeit versammelt neben den Ehemaligen der Kolonie eine große Anzahl von Personen (Mitglieder der Vereinigung, Abgeordnete, Vertreter des Staates und der kommunalen Gebietskörperschaften, usw.). Die junge Generation wird in den Ablauf der Feierlichkeit eng miteinbezogen. Junge Schüler lesen die Briefe der Kinder von Izieu vor und nehmen an der Seite der Personen, die damals als Kinder in Izieu waren, an dem Verlesen der Namen der deportierten Kinder teil. Jedes Jahr werden zu dieser Gelegenheit die pädagogischen Werke einer oder zwei Schulklassen vorgestellt.

 

Das Maison d’Izieu ist eine nationale Gedenkstätte.
Das Maison d’Izieu ist mit dem ehemaligen Vélodrome d’Hiver und dem ehemaligen Internierungslager von Gurs, eine der drei nationalen, durch den präsidialen Erlass vom 3. Februar 1993 anerkannten Gedenkstätten für die Opfer der rassistischen und antisemitischen Verfolgungen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die unter der Mittäterschaft des französischen Staates begangen wurden.

 

Zwei Feierlichkeiten werden vom Staat organisiert.

 

• Der Nationale Gedenktag der Deportation, am letzten Sonntag im April.
• Der Nationale Gedenktag zur Erinnerung an die Opfer der rassistischen und antisemitischen Verfolgungen durch den französischen Staat und zur Würdigung der Gerechten Frankreichs, am Sonntag nach dem 16. Juli in Erinnerung an die Razzia des Vel’ d’Hiv vom 16. Juli 1942.

 

 

Die Erinnerungstafeln und Stele am Standort Izieu und in der Umgebung zeigen die aufeinanderfolgenden Etappen des Gedenkprozesses.

 

• Die Gedenktafel an der Hauswand

 

Am 7. April 1946 wird anlässlich der Gedenkfeier eine erste Gedenktafel rechts des Eingangs angebracht. Sie erinnert an die Geschichte der Razzia und die Deportation der Kinder und ihrer Betreuer. Sie erwähnt den Namen und das Alter der deportierten Kinder und Erwachsenen.

« Am 6. April 1944, am Gründonnerstag, wurden 44 Kinder und ihre Betreuer im Haus von Izieu von den Deutschen verhaftet, und am 15. April 1944 deportiert. Einundvierzig Kinder und fünf ihrer Betreuer werden in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Der Leiter des Heimes und zwei Jungen werden in der Festung von Reval erschossen. »

Anlässlich der Einweihung des Memorials Musée-mémorial d’Izieu im Jahre 1994 wird der Name Fritz Loebman, der 1946 vergessen wurde, hinzugefügt.
Im Rahmen der Feierlichkeiten im April werden die Namen der deportierten Kinder und Erwachsenen vor dieser Gedenktafel vorgelesen.

 

1990 wird nach dem Erwerb des Hauses durch die Vereinigung auf Initiative von Sabine Zlatin eine zweite Gedenktafel, links vom Haupteingang, angebracht.
Der eingravierte Text erinnert an die Geschichte des Ortes und das Leben in der Kinderkolonie vor der Razzia:

« Unter dem Namen “Kolonie von Flüchtlingskindern aus dem Hérault“ haben Sabine Zlatin, Krankenschwester des Roten Kreuzes und Sozialhelferin im Departement Hérault, und Miron Zlatin, Agraringenieur, hier am 10. April 1943, das “Maison d’Izieu” gegründet, um jüdischen Kindern Zuflucht zu bieten.»

1994 wird zwischen den beiden Eingängen des Hauses eine dritte Gedenktafel angebracht. Sie erinnert an die Einweihung des Memorials durch den Staatspräsidenten François Mitterrand am Sonntag, den 24. April 1994.

 

• Die nationale Stele

 

Die im Jahre 1994 errichtete nationale Stele symbolisiert die Ehrerbietung der französischen Republik gegenüber den « Opfern der rassistischen und antisemitischen Verfolgungen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die unter der Mittäterschaft des französischen Staates verübt worden sind », und durch den präsidialen Erlass vom 3. Februar 1993 anerkannt werden.
Am Wegrand gelegen, der am Memorial entlangführt, trägt sie die Inschrift:

«Hier hat die Gestapo 44 Kinder und 7 Erwachsene verhaftet und deportiert, aufgrund ihrer jüdischen Abstammung, Davon wurden 50 in Auschwitz und Reval ermordet. Die Republik in Ehrerbietung gegenüber den Opfern der rassistischen und antisemitischen Verfolgungen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die unter der Mittäterschaft der Vichy-Regierung, der sogenannten “Regierung des französischen Staates ” (1940-1944)verübt worden sind. Lasst uns niemals vergessen.»

Vor dieser Stele finden alljährlich im Juli die Feierlichkeiten im Rahmen des Nationalen Gedenktages zur Erinnerung an die Opfer der rassistischen und antisemitischen Verfolgungen durch den französischen Staat und zur Würdigung der Gerechten Frankreichs statt.

 

• Das Denkmal in Brégnier-Cordon

 

Das Denkmal in Brégnier-Cordon, einem Dorf, das am Fuße der Izieu Gemeinde liegt, ist wie die erste Gedenktafel anlässlich der Gedenkfeier vom 7. April 1946 errichtet worden. Es konnte auf Initiative von Sabine Zlatin und dank einer Subskription bei den Bewohnern der Umgebung und der finanziellen Unterstützung durch die Gemeinden errichtet werden. Der Obelisk befindet sich an der Kreuzung La Bruyère, dort wo die Strasse in Richtung des Dorfes Izieu abzweigt. Der untere Teil ist mit einem von Sabine Zlatin entworfenen Flachrelief verziert, das zwei Kindergesichter vor einem David-Stern zeigt und die von einem Dolch hinterlegt mit einem Hakenkreuz bedroht werden. Der Obelisk enthält mehrere Inschriften:

 

Auf der rechten Seite des Denkmals

« Passant, halt inne und vergiss das Märtyrertum dieser Unschuldigen nicht – Möge der Ort, wo sie gelebt haben, dir stets heilig sein. »

Unter dem Flachrelief, Auszüge aus der 17. Meditation von John Donne, ausgewählt von Sabine Zlatin:

« jeder Mensch ist ein Teil des Kontinents, ein Teil des Ganzen (…) der Tod eines jeglichen Menschen erniedrigt mich, weil ich Teil des Menschengeschlechts bin »

On the left-hand side of the monument, the original text was:

« In memory of the 43 children of the Izieu home, of their director and five helpers arrested by the Germans on 6th April 1944 and exterminated in the camps or executed by firing squad in German prisons.»

Auf der linken Seite des Denkmals lautete der ursprüngliche Text folgendermaßen:

« In Erinnerung an die 43 Kinder der Kolonie von Izieu, ihren Heimleiter und ihre fünf Betreuer, die am 6. April 1944 von den Deutschen verhaftet und in den Konzentrationslagern ermordet oder in den deutschen Gefängnissen erschossen worden sind. »

Nach dem Barbie-Prozess ist dieser Text durch eine neue Inschrift ersetzt worden:

« In Erinnerung an die 44 Kinder des Maison d’Izieu, ihren Heimleiter und ihre 5 Betreuer, die von dem Naziverbrecher Klaus Barbie am 6. April 1944 verhaftet, anschließend deportiert und in den Konzentrationslagern ermordet oder erschossen worden sind aufgrund ihrer jüdischen Abstammung. Klaus Barbie, verantwortlich für die Deportation, ist am 3.7.1987 vom Schwurgericht in Lyon zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. »

Seit 1946 beginnen die Feierlichkeiten im Rahmen der Erinnerung an die Razzia vom 6. April 1944 mit einem Halt am Fuße dieses Denkmals. Die Gemeinde von Brégnier-Cordon schmückt es anlässlich der verschiedenen republikanischen Feiertage (8. Mai, 14. Juli, 11. November) mit Blumen, aber auch an Allerheiligen, womit sie darauf hindeutet, dass sie der deportierten Kinder und Erwachsenen in gleichem Maße wie der Toten der Gemeinde gedenkt.